Nichts bleibt vom Kulturpalast…

Freitag, 29. Oktober 2010

… wenn es nach den Plänen der Landeshauptstadt Dresden geht.

von Jana Knauth

Stückchenweise kommen immer neue unangenehme Wahrheiten ans Licht: Wie heute bekannt wurde, soll laut Nutzungskonzept der Landeshauptstadt die Betreibergesellschaft – die Konzert- und Kongressgesellschaft aufgelöst werden. 45 Mitarbeitern droht so die Arbeitslosigkeit.

Es stellt sich Frage, ob im „neuen“ Kulturpalast die vielfach beteuerten Möglichkeiten für die Unterhaltungssparte überhaupt ernsthaft geprüft werden. Denn in einem Artikel der Sächs. Zeitung vom 17. September 2010, in dem die Ertüchtigung der Messehalle 1 zu „Dresdens neuem Konzertsaal besonders für die leichte Muse“ gepriesen wird, steht zwischen den Zeilen, daß sie aufgrund ihrer hohen Auslastung kaum für die Aufnahme der Unterhaltungskunst geeignet ist. Da die Ausarbeitung des Nutzungskonzeptes noch intern ist, fing sich der Fraktionsvorsitzende der Linken eine Rüge der Oberbürgermeisterin für seine Indiskretion gegenüber der SZ ein. Brisant sind die bekannt gewordenen Fakten dennoch, stellen sie doch sämtliche Aussagen zur Unterhaltungssparte infrage.

Kritik am Umbau kommt aber auch noch aus einer ganz anderen Richtung: Der Bund der Steuerzahler verwies auf die Verschwendung öffentlicher Gelder für die Herstellung und Verbreitung einer Hochglanzbroschüre, die für den Umbau des Kulturpalastes in einen Konzertsaal für die Philharmonie wirbt. Schlechtes Gewissen? Das Rathaus äußerte sich nicht.

Sollte dieses Projekt umgesetzt werden, wird es sich dereinst wahrscheinlich selbst im Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes wiederfinden. Denn eins steht schon jetzt fest: Die angekündigten 65 Millionen Euro hatten sich schon im November 2009 überholt und inoffizielle Zahlen sprechen schon von 150 Millionen Euro.

Nichts bleibt, außer der schale Geschmack einer unausgegorenen Idee.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 30.12.2010 aktualisiert.
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4 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Die SZ-Meldung vom Wochenende (Orosz entscheidet in der nächsten Woche über Operetten-Veto) zum Kulturkraftwerk ist in diesem Zusammenhang sehr interessant:
    CDU-Fraktion: “Es ist sehr fraglich, ob jemals in 60 Jahren Bundesrepublik ein kommunales Großprojekt mit derartig unseriöser Finanzierung angeschoben wurde.”
    Trifft das nicht erst recht auf den Kulturpalast zu? Ich meine schon, denn es wird keine Städtbauförderung geben und wie oben beschrieben, wirds wohl auch wesentlich teurer als bisher bekannt.

    … schrieb J. Feld am Montag, dem 01.11.2010, um 11:58 Uhr.

  2. Wenn man die Argumentation von Schwarz-Gelb zur Operette im Stadtrat verfolgt hat, kann einem um die Kultur in Dresden wirklich Angst und Bange werden.

    Wiedereinmal ist die Finanzierung angeblich schuld, dass ein anderer Standort gesucht werden soll. Die Finanzierung ist in Dresden überhaupt immer schuld, dass alles den Bach herunter geht. Es sei denn, der Herr Vorjohann hat ein persönliches Intersse daran, dass es klappt. Bloß Kultur ist dem Mann ja egal.

    Ich glaube, die Dresdner müssen ernsthaft fürchten, dass die CDU-Konzepte der Anfang vom endgültigen Ende der Kulturstätten werden. Bei der Operette und dem TJG ist es ein Spiel auf Zeit – bis die baurechtlichen Gegebenheiten für eine Schließung der Spielstätten sprechen. Dann ist der Herr Vorjohann diese Belastungen endlich los.
    Beim Kulturpalast führt die Verbannung der U-Musik ins Ostragehege vermutlich dazu, dass er wegen Unwirtschaftlichkeit geschlossen und dann doch abgerissen wird, natürlich, nachdem sinnlose Millionen in den Umbau gesteckt wurden, nachdem im letzten Jahr die Sanierung im Vergleich dazu nicht nachvollziehbar teurer gerechnet wurde . Na ja, das eigentlich denkmalwürdige ist beim Umbau dann ja schon weg.

    … schrieb Silvia am Dienstag, dem 02.11.2010, um 13:53 Uhr.

  3. Frau Orosz sollte dafür einstehen, den Kulturpalast so zu erhalten wie er ist, schließlich ist sie die Vetreterin der Dresdner, und die wollen „ihren Kulti“ so multifunktional behalten. Der Kulturpalast hat eine Top-Auslastung zum Nutzen der Stadt, will man deshalb die das Haus betreibende städtische Gesellschaft entsorgen, weil das nicht in den lobbyistisch geprägten Umbauplan passt? Das Herr Vorjohann ernsthaft öffentlich behauptet, dieser Umbau wäre billiger als eine Sanierung zeigt deutlich, dass diese Dabatte nicht ehrlich geführt wird. Es ist doch allen klar, dass hier die Kosten schöngerechnet werden, dass es Irrsinn ist, für nur ein (B-)Orchester so einen Saal zu bauen, dass eine Bibliothek nicht in so ein Haus gehört, dass kaum noch Unterhaltungsshows im neuen Saal möglich und sicher auch nicht gewollt sind, dass man zwar die Stadt mit Hotels zupflastert, aber den Touristen keine Shows im Stadtzentrum bieten will – die Reihe könnte man endlos fortführen.
    Diese geplante Entkernung des Kulturpalastes ist wahrlich der größte Unsinn, den sich die Stadt leisten will. Überall auf der Welt baut man multifunkionale Säle, damit Kultur halbwegs bezahlbar bleibt, nur hier will man ohne jeden Sinn vorhandenes zerstören und eine Kopie des Leipziger Gewandhauses einbauen. Ein finanzieller Wahnsinn, den nur einflussreiche Lobbyisten fordern können. Das Umdenken sollte jetzt endlich einsetzen und keine Planungsgelder mehr vergeudet werden. „Mit den Gesicht zum Volke, nicht mit den Füßen in `ner Wolke (Gerhard Schöne)!

    … schrieb Jens am Samstag, dem 13.11.2010, um 18:00 Uhr.

  4. Durch den Umbau und die geplante Nutzung des Kulturpalastes degradiert sich die Landeshauptstadt selbst zu einer Provinzstadt mit einem Bürgerhaus, wo alle kulturellen Bedürfnisse nebst Bibliothek ihr Zuhause haben. Also doch ein Kulturhaus à la DDR.

    Auch das Bürgermeisteramt könnte dort Platz finden, und an der Rückseite des Hauses noch eine öffentliche Toilette.

    Sehr geehrte Oberbürgermeisterin Frau Orosz, zeigen Sie endlich, daß Sie einer Landeshauptstadt vorstehen.

    Dresden, den 25.12. 2010

    … schrieb Lothar und Gerlinde Jurk am Samstag, dem 25.12.2010, um 11:44 Uhr.