Dixieland-Festival ohne Kulti vor dem Aus?

Sonntag, 14. November 2010

Karlheinz Drechsel, bekannt als „Dr. Jazz“ und einer der Gründungsväter des Dresdner Dixieland-Festivals, feiert heute seinen 80. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch, verehrter Herr Drechsel!

Karlheinz Drechsel beim Dixieland-Festival im Kulturpalast (Jahr leider unbekannt)
Foto: © Hanna Jähnig

Der Träger der 2004 verliehenen Ehrenmedaille der Landeshauptstadt Dresden und des Bundesverdienstkreuzes am Bande sprach sich bereits vor geraumer Zeit für den Erhalt des Kulturpalastes aus, denn der Kulturpalast ist die zentrale Spielstätte für das Dixieland-Festival. War es und ist es noch heute.

Hier noch einmal seine Worte zum „Umbau des Dresdner Kulturpalastes in einen Konzertsaal“:

Nach Einholung von Informationen über bisher Geschriebenes und Gesagtes zum Thema „Umbau des Dresdner Kulturpalastes in einen Konzertsaal“ muß ich staunen, daß darüber noch immer diskutiert wird. Haben doch inzwischen so viele kluge und kompetente Menschen ihre fundierte, fachlich begründete Stellungnahme gegen einen Umbau abgegeben, daß die offensichtlich jede Vernunft ignorierende Absicht, das Vorhaben dennoch zu realisieren, absolut unverständlich erscheint. Man muß geradezu zwangsläufig vermuten, daß es dem Block der Umbau-Befürworter gar nicht um den eigentlichen Sachgegenstand, sondern um ganz andere Interessen zu tun ist.

Warum eine halbherzige, die Zielstellung von vornherein nie ganz befriedigende, kostenintensive Umbau-Variante, anstatt völligen Neubaus eines allen baulichen, technischen und akustischen Bedingungen umfassend gerecht werdenden Konzerthauses? Damit fände auch eine seit vielen Jahrzehnten bestehende, echte Notwendigkeit für das traditionsreiche Konzertleben in Dresden – einer „Weltstadt der Künste“ mit zwei sinfonischen Orchestern von Weltruf! – endlich ihre ideale Lösung. Wie ich hörte, gibt es hierfür schon ziemlich konkrete Gedanken, auch hinsichtlich der Finanzierung, bei der die öffentliche Hand so gut wie nicht belastet werden würde (!), und selbst ein geeigneter Baugrund ist bereits gefunden. Insofern ist es mir wahrhaft unerklärlich, warum ein derart verheißungsvoll und wahrlich optimal erscheinender Gegenentwurf zu dem als Konzertsaal von vornherein zur Unvollkommenheit verurteilten Umbau des Kulturpalastes nicht zu dem Thema intensiver Beschäftigung und Diskussion gemacht wird!

Es gibt noch einen zweiten Grund, der gegen den KP-Umbau in einen Konzertsaal steht: Das gesamte, enorm facettenreiche Genre der in Dresden von hohem Publikumsinteresse begleiteten Unterhaltungskunst würde das hierfür einzig praktikable Haus verlieren. Was dafür auch immer als „Ausweg“ erwogen wird, quasi zwischen Schlachthof und Messehalle, ist generell nur zweit- und drittklassiger Natur und kann den Kulturpalast mit all seinen Möglichkeiten (ganz abgesehen von dem 2.400 Plätze umfassenden Zuschauerraum) auch nicht annähernd ersetzen, bleibt Interimslösung. Ich muß unwillkürlich an die Nachkriegsjahre im bombenzerstörten Dresden denken, als gezwungenermaßen Theater/Konzert/Unterhaltungskunst allein durch Interimslösungen weiter existieren konnten, – aber wollen wir uns in heutiger Zeit, mehr als sechs Jahrzehnte später, selbst verstümmeln!? Und wofür!?

Das Internationale Dixielandfestival, dem ich mich naturgemäß besonders verbunden fühle, konnte seine internationale Wertschätzung als eines der bedeutsamsten Ereignisse seines Genres in der Welt, nur in Verbindung mit dem Dresdner Kulturpalast (wo es 1971 seine Geburt erlebte) als zentralen, von der Fachwelt vielbeneideten Veranstaltungsort erlangen. Ist das Festival inzwischen auch erstaunlich gewachsen und mit diversen Veranstaltungen auch an anderen Schauplätzen zu erleben, so sind doch die großen, internationalen Repräsentativ-Veranstaltungen (mit Fernsehen, Rundfunk, Schallplatte), die unverändert internationale Beachtung finden und in der Vergangenheit dem Dixielandfestival weithin seinen hohen Ruf eingebracht haben, allein im Kulturpalast durchführbar. Käme dessen bauliche Umgestaltung in einen Konzertsaal tatsächlich zur Ausführung, so ginge der Kulturpalast der Unterhaltungskunst im allgemeinen für immer verloren und würde sie im besonderen dem Internationalen Dixielandfestival – einem „gewichtigen Stück Dresden“ – die Degradierung zum bloßen Stadtfest und die Verurteilung zu internationaler Bedeutungslosigkeit, letztendlich den Anfang vom Ende bescheren.

Fazit: Dresden braucht beides – den bewährten Kulturpalast und ein neues Konzerthaus.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 25.12.2010 aktualisiert.
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