Urheberrechtsklage gegen den Kulturpalast-Umbau eingereicht

Dienstag, 9. November 2010

Am heutigen Dienstag reichte Dr. h.c. Wolfgang Hänsch, Architekt und Erbauer des Kulturpalastes Dresden, seine Klage gegen die Verletzung des Urheberrechtes an dem Gebäude durch den geplanten Umbau ein. Sie zielt darauf, der Stadt Dresden den Umbau zu untersagen, weil das Gebäude dadurch entstellt würde.

In der Zusammenfassung der Klage heißt es in der rechtlichen Begründung:

Der Kulturpalast genießt als Bauwerk urheberrechtlichen Schutz. Dieser Schutz erstreckt sich auch auf den Festsaal, da sich die schöpferische Gestaltung des Kulturpalastes nicht nur im Innenraum und insbesondere im Festsaal fortsetzt, sondern entscheidend von innen heraus geprägt wird.

Das gestalterische Konzept durchzieht das gesamte Gebäude, wobei die äußere Gestaltung durch die innere Formensprache und insbesondere durch die Gestaltung des Mehrzwecksaales bestimmt wird. Diese von innen her bestimmte Gestaltung der Gesamtarchitektur ist ein entscheidendes Wesensmerkmal der Bauweise der Moderne. Dementsprechend steht der Mehrzwecksaal in einer unverkennbaren Beziehung zum Gesamtbauwerk, so dass der urheberrechtliche Schutz das Gesamtbauwerk einschließlich des Festsaals erfasst.

Und weiter:

Der geplante Umbau bedeutet eine Entstellung im Sinne des § 14 UrhG.[...]
Durch den Abriss des Festsaals des Kulturpalastes würde der Werkcharakter des Kulturpalastes als Gesamtwerk bei gleichzeitiger Verfälschung der ästhetischen Grundaussage des Gebäudes vollständig zerstört. Der geplante Umbau würde die geistige Substanz des Werkes beseitigen, da das Gebäude nicht mehr als einheitliches Bauwerk „aus einem Guss“ erhalten bliebe. Das übrige Gebäude wäre zwar nach außen noch als gestalterische Leistung und als Wahrzeichen der Nachkriegsmoderne erkennbar, verlöre jedoch ohne den Mehrzwecksaal vollständig seinen gestalterischen Zusammenhang.

Diese Entstellung würde auch nicht durch den Einbau des neuen Konzertsaales ausgeglichen. Im Gegenteil würde dadurch die Verfälschung des Werkes zusätzlich vertieft. Der neue Konzertsaal wäre unabhängig von seiner architektonischen Qualität ein Fremdkörper innerhalb des Kulturpalastes,…

RA Kühn kommt zu dem Schluß:

Zugunsten der Stadt Dresden streiten keine Interessen, welche die Interessen des Klägers überwiegen würden. [...] Soweit die Beklagte den Saal auch zukünftig für Konzerte von Spitzenorchestern bereithalten möchte, ist dies jedoch ohne Weiteres auch ohne einen Abriss des Festsaales möglich. Sowohl eine gegebenenfalls erforderliche akustische Ertüchtigung als auch eine brandschutzgerechte Ausstattung des Gebäudes sind bei vollständiger Erhaltung des Gebäudes möglich und erfordern nicht den Abriss des Festsaals und die Ersetzung durch einen anderen Saal. Darüber hinaus würde eine solche Renovierung und Ertüchtigung des Kulturpalastes wesentlich geringere Kosten verursachen als der geplante Umbau. Mithin ist die geplante Maßnahme zur Zielerreichung überhaupt nicht erforderlich, weshalb ein überwiegendes Interesse der beklagten nicht bestehen kann.

Dresdens Erben e.V. unterstützt Dr. Hänsch und ruft die Bürger auf, sich ebenfalls zu beteiligen.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 25.12.2010 aktualisiert.
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3 Kommentare zu diesem Artikel

  1. … schrieb J. Feld am Dienstag, dem 09.11.2010, um 14:41 Uhr.

  2. Ich wünsche dem Architekten großen Erfolg mit seiner Klage. Es ist an der Zeit, die Arroganz und Respektlosigkeit der Dresdner Regierungsparteien in die Schranken zu weisen. Jedem denkenden Menschen ist es klar, dass der sogenannte “Umbau” mindestens eine dreistellige Summe verschlingen würde, von den anschließenden hohen Betreiberkosten ganz zu schweigen. Es ist doch Politik von gestern, solch einen tollen Mehrzwecksaal ohne jede Not einfach abzureisen, mit leichten baulichen Veränderungen und moderner Technik erreicht man mindestens das gleiche Ergebnis. Das Haus steht komplett unter Denkmalschutz (nicht nur die Hülle), in Zusammenarbeit mit dem Architekten kann man sicherlich gezielt kleine Eingriffe vornehmen, mehr aber auch nicht. Eine neue Bibliothek kann man auch ins Kraftwerk Mitte einbauen. Man redet hier nicht von einer Bauruine, sondern von einem seit seiner Eröffnung voll funktionierendem Kulturgebäude im Herzen der Stadt, dass mit seinen vielfältigen Möglichkeiten im großen Saal, dem Studiotheater und den vielen Tagungs- und Veranstaltungsräumen jede Art von Kultur ermöglichst und auch für die gesamte Soziokultur der Stadt unverzichtbar ist. Das Gebäude ist einfach genial durchdacht, andere Städte wären glücklich es zu haben. Die Dresdner lieben ihren „Kulti“ wie er ist, oder müssen die auch erst auf die Straße gehen?

    … schrieb Jens am Samstag, dem 13.11.2010, um 17:29 Uhr.

  3. Der Umbau Kulturpalast wird nach folgendem Schema ablaufen:

    1. Baumafia, Schmiergelder, Auftragsvolumen, Billigarbeiter.
    2. Ein Drittel weniger Sitzplätze (laut Planung).
    3. Damit Preiserhöhung nötig.
    4. Volk raus, Bonzen rein.

    - Ende der Geschichte -

    … schrieb P. Kamthusen am Montag, dem 22.11.2010, um 11:16 Uhr.