Die linksgrüne Dagegen-Kultur

Samstag, 18. Dezember 2010

von Eduard Zetera

Einer der prominentesten Welterben der Herzen, der Dresdner Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Jan Mücke, verbreitete gestern folgende Pressemitteilung:

Anlässlich des Einschwimmens des Mittelteils der Waldschlößchenbrücke über die Elbe, erklärt der Dresdner FDP-Bundestagsabgeordnete Jan Mücke:

„Das ist ein Sieg für die Demokratie und ein Zeichen für die Zukunft: Mit dem Einschwimmen des Brückenbogens rückt die Fertigstellung der Waldschlößchenbrücke in greifbare Nähe.

Die Waldschlösschenbrücke ist vor allem ein Zeichen gegen die linksgrüne ‚Dagegen-Kultur‘. Hier hat die Mehrheit der Bürger der lautstarken Minderheit gezeigt, dass Deutschland zukunftsfähig sein kann. Das Resultat nimmt heute Form an. Es ist das Symbol der Durchsetzungsfähigkeit einer selbstbewussten Bürgerschaft.“

Mücke war Vorstandsmitglied des Vereins Bürgerbegehren Waldschlößchenbrücke e.V. und initiierte das Bürgerbegehren für die Waldschlösschenbrücke. Er hätte das Einschwimmen sehr gern selbst mit verfolgt, muss aber zu einer namentlichen Abstimmung im Deutschen Bundestag in Berlin vor Ort sein.

Ein brillantes Statement, spricht es doch Mückes Anhängerschaft aus dem Herzen und hat zugleich das Potential, die linksgrünen Fortschrittsverhinderer gequält aufschreien zu lassen. Mit solcherart flotten Sprüchen ist es Mückes Parteichef Guido Westerwelle – Sie brauchen sich den Namen nicht mehr zu merken. – gelungen, bei der letzten Bundestagswahl für seine Partei bei knapp 15% der Wähler zu punkten.

Das Erfolgsrezept der Mückes und Westerwelles ist dabei denkbar einfach: Ihre Politik lebt vom Konflikt. Sie braucht keine Maßstäbe, sie sucht keine Lösungen. Wahrnehmung ist das alleinige Ziel – Man druckt mich, also bin ich. Dieses Ziel ist mit polarisierenden Statements zuverlässig zu erreichen.

Was bis heute geeignet erscheint, die politische Debatte im Fernsehen und in den gedruckten Medien anzuheizen, ist ein Phänomen, welches seit den 1990er Jahren aus dem Internet bekannt ist: Im Grunde sind Mücke und Westerwelle nichts anderes als Foren-Trolle.

Diese Erkenntnis scheint sich durchzusetzen, denn inzwischen hat selbst ein Großteil der FDP-Wählerschaft gemerkt, dass es sich mit Sprüchen von FDP-Politikern verhält wie mit Plakaten auf einer Litfaßsäule: Sie sind schrill und dahinter herrscht gähnende Leere. Die offenbar gewordene Substanzarmut liberaler Politik sorgt inzwischen dafür, dass sich die FDP unter Schmerzen an die Perspektive auf die 5%-Hürde von unten gewöhnt.

In Internetforen gilt die Regel: „Don’t feed the troll!“ Warum halte ich mich nicht daran und zitiere Jan Mücke dennoch? Ich tue das aus gutem Grund: Sein pointiertes Statement ist ein dankbarer Anlass, über eine Reihe von Fragen nachzudenken: Warum sind unter den Dresdner Welterbefreunden so viele „Wertkonservative“? Warum passt ihr Bild so gar nicht auf das des linksalternativen Spinners? Warum ist ein Bürgerentscheid Dresdner Art eben gerade kein Zeichen gelebter Demokratie? Warum ließ die vorgeblich so satte Mehrheit der Brückenfreunde das Elbtunnel-Bürgerbegehren nicht einfach zu, um die Tunnelfreunde grandios scheitern zu lassen? Und wo ist sie denn, die „selbstbewusste Bürgerschaft“, über welche sich Jan Mücke freut? Was hat sie denn bislang in Dresden durchgesetzt? Die Bebauung der Südseite des Altmarkts? Oder die des Postplatzes? Oder den Ausbau der Kesselsdorfer Straße? Oder der Königsbrücker?

John C. Sawhill, Präsident der Naturschutzorganisation „The Nature Conservancy“, sagte einmal:

Letztlich wird unsere Gesellschaft nicht allein danach beurteilt werden, was wir geschaffen haben, sondern auch danach, was wir nicht zu zerstören bereit waren.

Schauen wir doch einmal 20, 30 Jahre in die Zukunft! Werden wir uns noch an Jan Mücke erinnern? Werden wir uns daran erinnern, was er geschaffen hat? Oder wird dann das Urteil über diese unsere Dresdner Tage überschattet sein von dem, was wir zu zerstören bereit waren?

Dieser Artikel wurde zuletzt am 25.12.2010 aktualisiert.
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11 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Die FDP sucht momentan verzweifelt einen Nachfolger für WW. Jan könnte als neuer Chef auch im Bund der Demokratie zum Sieg verhelfen. Ein wirklicher Befreiungsschlag aber wäre Holger Zastrow. Wer den Dresdner Striezelmarkt erfolgreich umgestaltet, kann auch Deutschland zukunftsfähig machen.

    … schrieb visitor x am Samstag, dem 18.12.2010, um 12:03 Uhr.

  2. Schauen wir doch einmal 20, 30 Jahre in die Zukunft:
    Die Brücke wird stehen, Autos rollen darüber (Elektroautos ?), die Menschen freuen sich über die Elbauen und spazieren unter der Brücke und über die Brücke.

    … schrieb Horst Poller am Samstag, dem 18.12.2010, um 17:12 Uhr.

  3. @ Horst Poller:
    Sind Sie das, Herr Schleiff?

    Ihre Langzeitvision macht Mut. Der Mensch wird friedlich neben dem Elektroauto weiden. Aber die Schlange muss Erde fressen. Sie wird weder Schaden noch Bosheit tun.

    So ähnlich beschreibt es auch Jesaja 65,25. Die Schlange – das ist natürlich die lautstarke Minderheit, die dann demokratisch schweigt. Die Erde ist der Phantomtunnel, mit dem sie die friedliche Stadt spalten wollte.

    Können Sie sehen, welche Partei dann in Sachsen regieren wird? Nein, verraten Sie es nicht!

    … schrieb visitor x am Samstag, dem 18.12.2010, um 18:42 Uhr.

  4. Sind Sie das, Herr Schleiff?

    Nein

    Ihre Langzeitvision macht Mut. Der Mensch wird friedlich neben dem Elektroauto weiden. Aber die Schlange muss Erde fressen. Sie wird weder Schaden noch Bosheit tun.
    So ähnlich beschreibt es auch Jesaja 65,25. Die Schlange – das ist natürlich die lautstarke Minderheit, die dann demokratisch schweigt. Die Erde ist der Phantomtunnel, mit dem sie die friedliche Stadt spalten wollte.

    Versteh ich nicht. In der zitierten Bibelstelle geht es jedenfalls nicht darum, wie Dresden in 30 Jahren aussehen wird.

    Können Sie sehen, welche Partei dann in Sachsen regieren wird? Nein, verraten Sie es nicht!

    Kann ich nicht. Schaun wir mal.

    Kann man in den Kommentaren eigentlich Ziitate kenntlich machen. Eine Kurzanleitung wäre ganz hilfreich.

    … schrieb Horst Poller am Samstag, dem 18.12.2010, um 19:19 Uhr.

  5. @H.Poller

    Nicht nur Landschaften verschwinden, sondern auch Wörter. Eines dieser fast vergessenen Wörter heißt “lauter”.
    Das hat mit der Lautstärke der hier besprochenen Minderheit nichts zu tun. Es ist verwandt mit Läuterung.

    Lauterkeit bei Ihnen also vorausgesetzt: Das friedliche Bild, das Sie für WSB und Elbauen entwerfen, ist aus mehreren Gründen trügerisch.

    Auf die im obenstehenden Beitrag von EZ angesprochene Verantwortung für den Erhalt von Naturschutzräumen (Bewahrung der Schöpfung) geht es nicht ein.
    Es ignoriert den durch Gutachten festgestellten Eingriff in die Raumbeziehungen einer Stadtlandschaft. Es reduziert das Brückenbauwerk auf seine Funktion als Elbquerung ohne einen gestalterischen Zusammenhang zu den anderen innerstädtischen Elbbrücken herzustellen. Es unterschlägt den hohen (und für viele völlig inakzeptablen) Preis der Durchsetzung dieser Brücke, nämlich die Aberkennung einer Auszeichnung des Dresdner Elbtals trotz Alternativen. Das Bild von den friedlichen Spaziergängern spricht diesen ein landschaftsästhetisches Urteilsvermögen ab, die Elektroautos ignorieren die nun tatsächlich einsetzende zusätzliche Lärmimmission. Zuletzt geht Ihre Zukunftsvision über Fragen der Verkehrsnotwendigkeit des Projekts, der Kosten-Nutzen-Relationen, der Symbolik (Stichwort Sieg der Demokratie) und den Charakter des demokratischen Verfahrens des WSB-Projektes hinweg. Die Verkürzung der von Ihnen beschriebenen Idylle kann mit Hinblick auch auf tiefe Enttäuschungen aufrichtiger und ehrbarer Bürger von diesen deshalb auch leicht als dumpfe Provokation verstanden werden.

    Die Diskussionen zu all diesen Fragen laufen seit vielen Jahren. Der Brückenschluss findet voraussichtlich heute statt. Der Rest ist Sache der Gerichte. Wenn Sie an einer ernsthaften, wenn auch verspäteten Auseinandersetzung mit der Thematik interessiert sind, finden Sie ausreichend Material auf den Websiten zum Thema. Sprechen Sie mit den Menschen, die das Elbtal an einer seiner prägnantesten Stellen erhalten wollen. Sie treffen dort auch viele Christen. Die Bereitschaft, verstehen zu wollen, müssen Sie allerdings schon mitbringen.

    … schrieb visitor x am Sonntag, dem 19.12.2010, um 08:06 Uhr.

  6. Todgeredet.

    … schrieb Horst Poller am Sonntag, dem 19.12.2010, um 10:04 Uhr.

  7. Gerne wieder.

    … schrieb visitor x am Sonntag, dem 19.12.2010, um 10:35 Uhr.

  8. Ich bin mal nett und beantworte die Frage von Herrn Poller:

    Kann man in den Kommentaren eigentlich Ziitate kenntlich machen. Eine Kurzanleitung wäre ganz hilfreich.

    Da mich dasselbe auch mal jemand fragte, hatte ich es ihm hier erklärt .

    Ich weiß, dass links auf Foren oder Blogs hier nicht gern gesehen sind, wenn sich dort u.a. auch Welterben-Kritik befindet. Ich kann es Ihnen aber leider nur als link anbieten – nur den Text zu kopieren würde nicht funktionieren, da er nur mit einer enthaltenen Grafik Sinn ergibt. Der verlinkte Artikel ist welterbe-mäßig übrigens völlig unbedenklich ;-)

    [Frank, Sie gehen wieder spielerisch mit den Fakten um: Tatsächlich wurden Sie um Verständnis gebeten, dass wir nicht auf Foren verlinken wollen, in denen wörtlich: "zum Teil menschenverachtende bis volksverhetzende Inhalte" veröffentlicht werden. Bedenken Sie bitte: Aufmerksamkeit gegenüber Ihren Links ist mit zusätzlichem Aufwand für uns verbunden. Auf Wunsch können wir Nachrichten an Sie parallel auch im Blog einstellen. Ihre Moderation]

    … schrieb Frank am Sonntag, dem 19.12.2010, um 16:40 Uhr.

  9. Das (immerhin moderierte) Forum der DNN als eines zu bezeichnen, was angeblich “zum Teil menschenverachtende bis volksverhetzende Inhalte” hat … finden Sie das nicht etwas überzogen? Inwiefern gehe ich da spielerisch mit Fakten um?

    [Anm. der Redaktion
    Die Einstufung wurde nicht leichtfertig vorgenommen. Entscheidungsgrundlage war weder intern noch Ihnen gegenüber, dass - wie Sie nun behaupten - auch Welterbe-Kritik transportiert wird. Wir nehmen Ihre Meinung aber interessiert zur Kenntnis. Es steht Ihnen außerdem frei, die von uns unterdrückte Wahrheit über das Welterbe auf Ihrem Blog zu veröffentlichen. Dort tragen Sie selbst die Verantwortung.]

    … schrieb Frank am Sonntag, dem 19.12.2010, um 22:53 Uhr.

  10. An alle grüngefärbtaltlinkshaarlangökobildungfaschistischsstalinistischbürgerlichberufsgutmenschenfortschrittsverweigerndenprotestierkommunistischdemokratiestaatsfeindlichvaterlandslosmultiarbeitsscheukulturellkiffendtotalelitärunescohörigennestbeschmutzendendagegenverhinderersitzblockierendensteinewerfendenautoanzündendenneustadtchaotenschmarotzenden Hagebutten:

    Verzichten Sie bitte bei Ihren Waldspaziergängen auf das Mitführen und Verwenden nicht genehmigter Wurfgeschosse. Sie mögen sich vielleicht ein bisschen wie David fühlen, aber im deutschen Wald gibt es keinen Goliath! (Hinweis: Der Wahlkampfspot ist echt!)

    … schrieb visitor x am Donnerstag, dem 13.01.2011, um 19:56 Uhr.

  11. -> CSu-Spot

    … hmm, warum bekommt das grüne Männlein eine Beule, obwohl es diesen Reishut trägt?

    … schrieb Roderic am Samstag, dem 15.01.2011, um 08:14 Uhr.