Konflikt wird betoniert statt Herzen zu versöhnen

Montag, 13. Dezember 2010

eine Pressemitteilung des
Netzwerk Welterbebewegung Dresden

Mit dem Einschwimmen des Brückenbogens am Waldschlösschen wird der physische Akt der Zerstörung des Welterbes Dresdner Elbtal endgültig vollzogen und der tiefe Riss, der sich durch die Dresdner Stadtgesellschaft zieht, dauerhaft betoniert. Diese kulturpolitische Barbarei, die in der Aberkennung des UNESCO-Welterbetitels für Dresden gipfelte, bleibt in ihrer ganzen Dramatik weltweit einmalig und leider im doppelten Sinne unerhört.

Obwohl das OVG in Bautzen jüngst feststellte, dass der Planfeststellungsbeschluss zum Bau der Brücke möglicherweise nicht rechtens ist, es durch die Nicht-Rechtmäßigkeit der Planfeststellung sogar zu einem Rückbau der Brücke kommen kann, schaffen das Dresdner Rathaus und die CDU wie immer vermeintlich unumkehrbare Tatsachen. Im Unterschied zum Bahnhof Stuttgart hätte es in Dresden jederzeit die Möglichkeit gegeben, mit Hilfe wirklicher Kompromisse (Tunnel und Fußgängerbrücke) eine von großen Teilen der Bevölkerung akzeptierte Lösung zu finden, die auch das Welterbe in Dresden erhalten hätte.

Dass dies allein aus parteipolitischen Gründen nicht gewollt wurde, wiegt vor dem Hintergrund des verlorenen Welterbes um so schwerer.

Thomas Löser sagte in diesem Zusammenhang:

Es kann eine Stadt wie Dresden, in der so bedeutendes für die abendländische Kulturgeschichte geleistet wurde, in ihrem Selbstverständnis nur zutiefst verstören, wenn ein solcher Frevel von der Mehrheit der Bevölkerung scheinbar unwidersprochen hingenommen wird.

All jenen Dresdnern, die sich heute am Hochfahren und Absenken und Hin- und Herschieben einer Stahlkonstruktion von der Anmutung eines Autobahnzubringers ergötzen, sei gesagt, dass sie mit ihrer kindlichen Freude dabei zusehen, wie ein Welterbe der Menschheit politisch gewollt zerstört wird.

Die Welterbebewegung wird den Tag des Einschwimmens des Brückenbogens mit verschieden Aktion begleiten, in denen wir unserer Trauer und unserem Protest in Würde Ausdruck verleihen.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 25.12.2010 aktualisiert.
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11 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Ihre Äußerungen finde ich nur noch lächerlich. Das Welterbe wird nicht zerstört, sondern der Tittel ist weg – und daran sind Sie nicht ganz unschuldig. Brücken gibt es in jeder Stadt die an einem Fluss liegt, sie sind etwas Normales und etwas Gutes.

    Die Stadt Dresden muss unumkehrbare Tatsachen schaffen, nur so ist es möglich, den Willen der Bevölkerung durchzusetzen. Was nützt ein Bürgerentscheid, wenn die Umsetzung erst viele Jahre später erfolgt ?

    … schrieb Marin am Dienstag, dem 14.12.2010, um 10:30 Uhr.

  2. Wenn Dresden warten würde, bis alle Instanzen der Gerichte durchlaufen sind -insbesondere nach den Erfahrungen in den letzten Jahren mit der selbsternannten Welterbebewegung und deren Verzögerungstaktik – hätten wir in 10 Jahren noch keine Brücke. Diese wird aber dringend benötigt und ist von der Mehrheit der Bürger gefordert.

    Die Flaschenpostaktion finde ich äußerst peinlich. Die Klagevorhaben sind formal natürlich Ihr gutes Recht, aber irgendwann ist dies nur noch lächerlich, leider aber nicht zum lachen, wenn man an die enormen Summen dentk, die dadurch entstehen. Dies ist Geld, welches auch aus meinen Steuern gezahlt wird.

    … schrieb Frank am Dienstag, dem 14.12.2010, um 19:06 Uhr.

  3. Narürlich stehen parteipolitische Gründe dahinter.
    Aber was ist daran schlecht? Jede Partei vertritt Interessen. In Sachsen ist die CDU die stärkste Kraft, weil es das Volk so will und so gewählt hat. Ebenso wird die Brücke gebaut, weil eine deutliche Mehrheit dies so möchte. Und das wird jetzt umgesetzt. Dies erwarte ich auch von der Politik.

    Über Geschmäcker kann man streiten. Ich persönlich finde die Brücke nicht schlecht. Ich würde auch jederzeit eine Brücke gegenüber einem Tunnlel bevorzugen. Eine Brücke passt viel besser zu Dresden. Ein Tunnel wirkt technokratisch und unpesrsölich. Die Brücke wertet meiner Meinung nach das Elbtal auf und eröffnet neue Perspektiven. Aber wie gesagt, es müssen nicht alle Geschmäcker gleich sein.

    … schrieb Horst Poller am Mittwoch, dem 15.12.2010, um 19:16 Uhr.

  4. Herr Poller, danke! Wir brauchen gerade jetzt von jedem ein klares Bekenntnis zur Notwendigkeit der demokratischen WSB und zur führenden Rolle der CDU und ihres Zentralkomitees beim weiteren planmäßigen Aufbau der sächsischen demokratischen Gesellschaft zum Wohle der werktätigen Bevölkerung. Vorwärts immer, rückwärts nimmer!

    … schrieb visitor x am Mittwoch, dem 15.12.2010, um 20:50 Uhr.

  5. @Visitor x
    Ist das ihr üblichen Niveau? Das sagt einiges über Ihre so viel beschworene Kompromissbereitschaft.

    Ich bin Christ und habe die DDR und die dort herrschende Meinungsdikdatur erlebt, wenn auch nur als Schüler. Deshalb finde ich Ihre Äußerung völlig daneben und geschmacklos.

    Natürlich ist die CDU eine demokratisch gewählte Partei, ob es nun in Ihr linkes Öko-schwarz-weiß-Weltbild passt oder nicht. Natürlich ist der Bürgerentscheid klar für die WSB ausgefallen, auch wenn Sie sich dies anders gewünscht hätten.

    … schrieb Horst Poller am Mittwoch, dem 15.12.2010, um 21:26 Uhr.

  6. @Visitor x
    Ich möchte noch etwas “nachschieben”:
    Ich ärgere mich über Ihre Äußerung. Deshalb habe ich aus einem Impuls heraus geschrieben. Ich möchte Ihnen nicht zu nahe treten. Ich weiß natürlich nicht, ob ihr Weltbild links und schwarz-weiß ist. Also Entschuldigung für meine schnellen Worte.
    Aber zum Rest stehe ich.

    … schrieb Horst Poller am Mittwoch, dem 15.12.2010, um 21:40 Uhr.

  7. Herr Poller, Sie sagen, Sie seien Christ und haben die Meinungsdiktatur der DDR als Schüler erlebt.

    Was heißt das? Waren Sie schon als Schüler Christ und hatten deshalb in der Endphase der DDR, als (in meinem Umfeld) kaum noch jemand ein Blatt vor den Mund nahm, besonders zu leiden? Oder wollen Sie so den demokratischen Geist der Union bezeugen? Wenn Sie mit christlicher Ethik Ihr besonderes Verhältnis zu historischer Wahrheit, wirklicher Freiheit und sozialer Gerechtigkeit begründen, überrascht mich Ihre Abwehr gegenüber meiner Analogie SED und CDU um so mehr. Meinungsdiktatur begegnet mir auch heute. Vielleicht weniger brachial, mindestens aber genauso dumm.

    Es gibt keinen Grund, jemanden um Entschuldigung zu bitten, dessen Weltbild Sie links nennen. Das sagt eher etwas über Ihre eigenen Denkkategorien aus. Sie müssen nicht bedauern, wenn Sie bei anderen ökologische Anliegen vermuten. Vielleicht ärgern Sie sich, wie Sie ja auch andeuten, einfach über eigene Unbeherrschtheit. Dann aber kann und muss nicht ich Sie entlasten. Ich freue mich aber für Sie, dass Sie der selbstkritischen Geste des Bedauerns fähig sind.

    … schrieb visitor x am Mittwoch, dem 15.12.2010, um 22:45 Uhr.

  8. MeinAnliegen war, zum Ausdruck zu bringen, dass ich vorschnell Dinge geschrieben habe, die nur Vermutungen sind. Und ja, es ist richtig, dass ich mich über meine Unbeherrschtheit geärgert habe.

    Ich wollte nicht den demokratischen Geist der CDU bezeugen, sondern deutlich machen, dass die CDU eine demokratisch gewählte Partei ist, daher mit Legitimation der Wähler Macht ausübt, auch in Bezug auf die WSB.

    … schrieb Horst Poller am Mittwoch, dem 15.12.2010, um 23:36 Uhr.

  9. Für Marin, Frank, Horst Poller:

    besonders Kapitel 4 sehr empfehlenswert!

    http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/extra_3/videos/extra2643.html

    … schrieb Faust am Donnerstag, dem 16.12.2010, um 08:35 Uhr.

  10. @ anderer Frank:

    Die Flaschenpostaktion finde ich äußerst peinlich

    Aber hallo … wie kann man nur so etwas schreiben? Es handelt sich dabei immerhin um eine Kunstaktion!

    … schrieb Frank am Donnerstag, dem 16.12.2010, um 09:51 Uhr.

  11. http://www.unesco.de/welterbetagung2010.html

    schön daß es in deutschland auch städte und personen gibt die den wert ihres erbes für die welt und kommende generationen kennen, bewahren und weiter geben wollen.

    … schrieb N am Donnerstag, dem 16.12.2010, um 13:07 Uhr.