Sicherheitspartnerschaft Polizei und OBI-Biber

Donnerstag, 23. Juni 2011

Von Johannes Hellmich

Was soll die Empörung? Ist jemand zu Schaden gekommen beim sogenannten Datenskandal? Na also. Im Übrigen; alle wissen im Grunde: Wir brauchen nicht weniger Überwachung, sondern mehr. Sicherheit gibt es nicht geschenkt.

OBI zum Beispiel. Der Baumarktriese unterstützte schon vor Jahren die Sicherheitsbehörden des Freistaates. Seine Öffentlichkeitsarbeit ist unkonventionell und entwaffnend ehrlich: Der Slogan „Wie-wo-was weiß OBI“ zum legendären „We will rock you“ von Queen elektrisiert nicht nur brave sächsische Bürger. Was viele Kunden nicht wissen: auch Linksextremisten bevorzugen offenbar das gut sortierte Angebot. Die Spur eines Anschlages auf eine Dresdner Bundeswehrkaserne im Jahr 2009 führt direkt ins orangefarbene Heimwerkerparadies. Zum Glück: Das Landesamt für Verfassungsschutz hatte seinen Job ordentlich gemacht und die Tat zugeordnet, obwohl die Täter noch frei herumlaufen. Wie selbstvergessen mancher zwischen Rindenmulch und Schraubensortiment durch die Regalreihen schlendert, ohne zu ahnen … Gut, dass OBI den Ernst der Lage begriff und Kundendaten direkt an die Polizei weitergab.

Auch als Kunden können wir unbürokratisch helfen. Vor allem: Reagieren Sie bitte künftig nicht mehr mürrisch auf Fragen nach der Postleitzahl. Geben Sie unaufgefordert weitere mehr oder weniger nutzlose persönliche Daten an die Kassiererin weiter und unterstützen Sie so die Arbeit der Ermittler. Alles kann irgendwie von Bedeutung sein. Bekennen Sie sich gegenüber dem Fachpersonal zum Grundgesetz. Fordern Sie andere Kunden auf, sich zu bekennen. Telefonieren Sie mehrfach im Baumarkt zwecks Datenabgleich, nach Möglichkeit auf dem Freigelände des Gartenmarktes. Halten Sie sich in der Nähe der Überwachungskameras auf. Werfen Sie einen Blick in die Einkaufswagen der anderen. Belauschen Sie verdächtige Gespräche, mustern Sie kritisch Personen mit Strumpfmasken, schrullige Wutomas oder auch ungepflegt wirkende Jungväter! Achten Sie auf schräg parkende Fahrzeuge älteren Baujahrs (besonders Volvo oder Passat). Gibt es Anti-AKW-Aufkleber? Schauen Sie auch ins Wageninnere und melden Sie ihre Beobachtungen dem OBI-Hörnchen.

Bei all Ihrem Engagement: Verzichten Sie dennoch auf Spontanreaktionen. Versuchen Sie nicht, die Verdächtigen selbst dingfest zu machen, veranstalten Sie keine Verfolgungsjagden über den Parkplatz, sondern überlassen Sie alles weitere dem Kommissar im Biberkostüm. Er weiß, was zu tun ist.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 03.07.2011 aktualisiert.
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Ein Kommentar zu diesem Artikel

  1. Die richtige Antwort auf solche Datensammelwut kann nur sein, die verantwortlichen Behörden dazu zu bringen sich auch ordentlich mit den Daten zu beschäftigen. Der beste Weg dazu ist, wenn möglichst viele Leute ein Auskunftsverfahren über die über sie gespeicherten Daten einfordern. Im Falle der Funkzellenauswertung in Dresden gibt es glücklicherweise schon passende Formbriefe vom Büdnis “Dresden nazifrei”.

    … schrieb Icedieler am Freitag, dem 24.06.2011, um 14:47 Uhr.