Gefahren für den Elbhang – 34. Elbhanggespräch

Donnerstag, 21. Juli 2011

von Peter Bäumler und Christian Helms

In Anspielung auf das diesjährige Motto des Elbhangfestes „OdoleMio“ hatte das Entwicklungsforum Dresden in langjähriger Tradition am Vormontag des Elbhangfestes zur Podiumsdiskussion „Mund auf am Elbhang – Bürger reden mit“ eingeladen. Etwa 150, vorwiegend ortskundige Besucher, kamen ins Ortsamt Loschwitz. Als Podiumsteilnehmer sprachen die Vertreter der vier maßgeblichen Elbhang-Ortsvereine. Zudem war die Architekturhistorikerin Frau Heidrun Laudel auf dem Podium vertreten. Die Stadt vertrat Manfred Wiemer vom Kultur- und Denkmalamt. Frau Sylvia Günther sprach als Ortsamtsleiterin und Gastgeberin für das Ortsamt Blasewitz-Loschwitz. Christoph Andrich vom Entwicklungsforum Dresden moderierte.

In ihren Statements nannte Frau Günther zum geplanten Kiesabbau in Söbringen ‚Roß und Reiter‘. Bürgerschaft und Stadt seien sich darin einig, diese brachialen Eingriffe in die Kulturlandschaft nicht zuzulassen. Die Entscheidung über den Kiesabbau wird jedoch nach Landesgesetz vom Berg- und Hüttenamt in Freiberg getroffen; fernab von den betroffenen Bürgern und ihren demokratisch legitimierten Vertretern.

Otto-R. Wenzel schilderte aus den Erfahrungen seines Ortsvereins Loschwitz-Wachwitz, wie historische Wegebeziehungen am Hang durch Vernachlässigung, Umwidmung, oder gar durch illegale Inanspruchnahme privater Anrainer verloren gehen. Zur aktuellen Lage zum demolierten und verriegelten Weg von der Schillerstraße hinab zum Körnerweg sagte Frau Günther, dass nach einem jüngsten Gerichtsurteil der Anrainer den Weg freizugeben habe.

Zur Situation um die ehemalige Weinberggärtnerei sprach Christian Decker von der Interessengemeinschaft Weinbergkirche Pillnitz von der Gefahr, dass dieses Gelände vom Freistaat ohne Auflagen an den Meistbietenden verkauft wird. Damit besteht die Gefahr von Bebauungen, die dem Landschaftsbild erheblichen Schaden zufügen. Als gelungen nannte er die Einrichtung Bäckerei Wippler im historischen Bauwerk Alte Feuerwehr, die Weinbergkirche sowie die Entwicklung der Rebhänge insgesamt.

Detlef Streitenberger, Verschönerungsverein Weißer Hirsch/Oberloschwitz, appellierte an die Hangbürger, Demokratie zu praktizieren, zu beobachten, zu alarmieren, aktiv mitzuwirken, damit „der Elbhang bleibt und sich weiterentwickelt, so wie er gewachsen ist.“

Heidrun Laudel referierte in einem wissenschaftlich strukturierten Vortrag darüber, wie die Kulturlandschaft des Elbhanges in Jahrhunderten aus der Überformung einer ursprünglichen Naturlandschaft entstanden ist. Sie wies darauf hin, dass es mit dem Kartenwerk ‚Schutzgüter der Kulturlandschaft von 2009‘, welches Denkmal- mit Naturschutz verbindet, ein Instrument zur Bewahrung der Schutzziele bereits gibt. Vor allem für Entscheidungen über bauliche Entwicklungen am Hang definiert die Karte, was wo möglich ist, was nicht. Ihr Appell: „Schützen wir diese einmalige Kulturlandschaft mit der geballten Kraft aus Kenntnis des Ortes!“

Mit dem Verlust des Welterbetitels, damit dem Wegfall der UNESCO-Schutzregularien, ist es künftig schwieriger „Landschaftsveredelungen“, wie etwa durch Kiesgruben in Söbrigen zu verhindern. Unter den Gästen befand sich auch Peter Lames (SPD). Als Vorsitzender der Fraktion, die sich deshalb im Dresdner Stadtrat für den umfassenden Schutz des Elbhanges auch nach dem Verlust des Titels eingesetzt hatte, wurde er vom Podium zu dieser Problematik angesprochen.

Schade, dass für die offene Diskussion mit dem Publikum, das vor ‚Hinweisen‘ platzte, zu wenig Zeit blieb infolge zu dichtgepackter Podiumsbeiträge und nichtstraffer Moderation. Ein Grund diese Veranstaltung fortzusetzen und zu vertiefen, als Workshop vielleicht. (Bäu/He).

Dr. Peter Bäumler arbeitet als freier Journalist in Dresden. Er schreibt zu den Themen Architektur, Verkehr, Kunst und Kultur.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 18.09.2011 aktualisiert.
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