Kulturlandschaft Loschwitz-Wachwitz
Wie schützen und entwickeln wir sie?

Donnerstag, 21. Juli 2011

Eine Initiative von Dresdens Erben

Aufzeichnungen des Vortrags vom 20. Juni 2011 zum 34. Elbhanggespräch

von Dr. Heidrun Laudel

Grundlage: Stadtratsbeschluss vom 10. Dezember 2009
Es gibt einen Stadtratsbeschluss, der vorsieht, das Dresdner Elbtal noch besser zu schützen. Von einer Satzung für das Gesamtgebiet und von der Teilhabe der Bürger ist darin die Rede. Inzwischen wird in den Ämtern und auch unter den Bürgern nachgedacht, wie man das realisieren kann.

Es gibt eigentlich schon genügend Schutzinstrumentarien
In den 1990er Jahren haben die zuständigen Ämter alle sich bietenden Möglichkeiten genutzt, um Bauten, bauliche Anlagen, Gärten, Landschaften, Naturareale unter Schutz zu stellen.
Man ist erstaunt, wie viele Schutzinstrumentarien auf diese Weise geschaffen worden sind.
Allein auf dem Gebiet des Denkmalschutzes sind neben den Einzeldenkmalen

  • Denkmalschutzgebiete ausgewiesen
  • Sachgesamtheiten bestimmt
  • Erhaltungssatzungen verabschiedet worden.

Das Kartenwerk „Schutzgüter der Kulturlandschaft“ 2009 – die bislang umfassendste Handlungsgrundlage für die Bewahrung einer Kulturlandschaft
Das Kartenwerk verbindet Natur- und Denkmalschutz. Ausgewiesen sind:

  • Landschaftsschutzgebiete
  • Naturschutzgebiete
  • Biotope
  • Naturdenkmale
  • Baudenkmale
  • Archäologisches Kulturdenkmale
  • Denkmalschutzsatzungen
  • Sachgesamtheiten
  • Erhaltungssatzungen

Fazit: Die gesetzlichen Möglichkeiten des Natur- und Denkmalschutzes sind weitgehend ausgeschöpft. Das trifft für das Gebiet Loschwitz-Wachwitz in besonderem Maße zu

  • zwei Denkmalschutzsatzungen: Elbhänge und Weißer Hirsch/ Oberloschwitz
  • Archäologisches Kulturdenkmal: 02370-D-02: „Schillerstraße/Plattleite: Befestigte Anlage aus dem Frühmittelalter“
  • Sachgesamtheit: Körners Weinberg
  • Erhaltungssatzung lt. Baugesetzbuch: Dorfkern Loschwitz

Zwei Erfordernisse tun sich angesichts dieses Kartenwerks auf:

  1. Die Bürgerschaft muss Kenntnis von den Schutzinstrumentarien haben. Die Karte müsste lebendig gemacht werden. Der Schutz der Kulturlandschaft kann nicht allein Sache der jeweiligen Sachverständigen in den Ämtern sein, er muss sich auf ein allgemein verbreitetes Wertebewusstsein gründen, wie es sich nur im aktiven Handeln herausbildet.
  2. So umfassend der Schutz in dem Kartenwerk gebündelt zu sein scheint, der besondere Charakter der Kulturlandschaft ist mit den herkömmlichen, auch anderorts gültigen Kriterien noch nicht erfasst. Die ganze Vielfalt, mit der eine solche Kulturlandschaft in Erscheinung tritt, vermögen letzten Endes nur die Ansässigen zu bestimmen. Sie kennen z. B. die Legenden und Geschichten, die zur Eigenart eines Ortes gehören.

Dem entspricht die ins Auge gefasste Strategie der zuständigen Ämter: Statt einer übergreifenden Satzung soll ein Rahmenkonzept/ein Rahmenplan entstehen, an dessen Ausarbeitung die Bürger in breitem Maße beteiligt werden. Wiewohl vor allem die Landschaftsplaner schon einige Erfahrungen mit der Einbeziehung der Bürger in derartige Aufgaben haben, betreten wir in einer dichtbesiedelten Kulturlandschaft wie dem Dresdner Elbtal Neuland. Die Frage des „Wie machen?“ wird im Laufe des Prozesses Stück um Stück beantwortet werden. Hier anstiftend mitzuwirken hat sich der Verein Dresdens Erben zur Aufgabe gemacht.
Das Gebiet der Elbhänge im Dresdner Osten bot sich für einen Vorstoß an. Wo, wenn nicht hier, findet sich eine kreative Bürgerschaft, die ein solches Pilotprojekt in Angriff nehmen kann?

Eine Kulturlandschaft, in der Natur- und Siedlungsraum ineinandergreifen, wird wesentlich durch die besondere topographische Situation geprägt
Daraus leitet sich auch unser Vorschlag für die Abgrenzung eines Untersuchungsgebietes ab. Die topographischen bzw. geomorphologischen Verhältnisse waren für uns maßgebend.

Mordgrund (Heilstättenweg – Wunderlichstraße – Mordgrundbrücke) – Fußweg Verlängerung Heinrich-Cotta-Straße – Heinrich-Cotta-Straße – Bautzner Straße – Neugersdorfer Straße – Grundstraße – Tännichtstraße (bis Krügerstraße) – nördliche Grenze der Denkmalschutzgebietssatzung D-01 bis Karpatenstraße – Karpatenstraße bis Unterrochwitzer Graben – Unterrochwitzer Graben entlang bis Wachwitzgrund – Wachwitzgrund entlang in Richtung Elbe – Altwachwitz

Der Bewertung kann eine Faustformel zugrunde gelegt werden: Das Siedlungsbild erscheint um so harmonischer, je markanter der Grundcharakter der naturräumlichen Gliederung durchscheint.

„Historische Kulturlandschaft“ (Überformung einer natürlichen Landschaft durch den Menschen im Laufe der Geschichte) kann erster Ansatz einer Betrachtung des Gesamtgebietes sein

  • Ursprüngliche naturräumliche Gegebenheiten
    Lausitzer Granitplatte (Lausitzer Granodiorit), die in Steilhängen zum Fluss abfällt und innerhalb derer sich enge Seitentäler (Kerbtäler) herausgebildet haben. Markantestes Kerbtal ist das Tal des Grund- oder Loschwitzbaches (Grundstraße). Kleinere Seitentäler sind Stechgrund, Ziegengrund, Säugrund …
    Zu dieser geologischen Formation gehört eine spezifische Pflanzenwelt: naturnahe Waldstücke (Traubeneichen-Hangwälder, Pechnelken-Eichenwald, Eichen-Hainbuchen-Wälder) …
  • Überformung durch Weinbau im Mittelalter und der frühen Neuzeit
    Die starke Reliefierung des Geländes und die flachgründigen Böden ließen eine ackerbauliche Nutzung größeren Ausmaßes nicht zu. Doch dienten die Hänge schon seit ältester Zeit dem Weinbau angebaut. Von den sog. „Spittelbergen“ – zwischen Veilchenweg und Pillnitzer Straße gelegen – wissen wir, dass sie von Anfang an zum Besitz des Maternihospitals [daher der Name] gehörten, das Heinrich der Erlauchte vor 1286 gegründete.
    Die Weinanbauflächen erweiterten sich ab 1569. Damals wurden auf den noch wüsten Flächen und im Loschwitzgrund von Förster und Forstknechten Rodungen vorgenommen, um Weinberge anzulegen. Damit wurde von diesen Flächen die ursprüngliche wärmeliebende Vegetation verdrängt. Nur die oberen Hangbereiche blieben zunächst noch bewaldet. Sie übernahmen eine Klimaschutzfunktion für den Weinbau. Naturnahe Waldstücke mit der dazugehörigen Pflanzenwelt erhielten sich in den Schluchten.
    Überformung durch Weinbau nach „Württembergischer Art“ ab dem 17. Jh.
    Das Landschaftsbild veränderte sich grundlegend, nachdem auf Geheiß des Kurfürsten Christian II. ab 1604 der Weinbau „nach württembergischer Art“ betrieben wurde, d. h. die südexponierten Hänge terrassiert und mit Trockenmauern versehen wurden. Damit entstand jenes Feinrelief, mit dem wir es bis zum heutigen Tag zu tun haben.
  • Umwandlung der Weinberge in ein verstädtertes Villengebiet
    Schon im 17. Jahrhundert waren die Weinberge nicht nur Wirtschaftsland, sondern auch Erholungsorte, d. h. es entstanden in dieser Zeit vermehrt bescheidene Sommersitze. Im 18. Jahrhundert verwandelten sich einzelne der Weinberghäuser in anspruchsvollere Schlößchen. Im großen Stile veränderte sich Nutzung aber erst nach der Mitte des 19. Jh. (vielfältige Gründe: geringere Erträge infolge der jahrhundertelangen Monokultur, Nachwuchsmangel im Winzergewerbe und Weinimporte aus Südeuropa. Obst- und Beerenplantagen versprachen höhere Gewinne. Die aus Amerika eingeschleppte Reblaus bereitete dem Weinbau 1885 ein vorläufiges Ende.)

Für die Erfassung des Charakters einer Kulturlandschaft sind die frühen topographischen Karten von großem Wert

  • Struktur der Weinberge mit ihren Sattel und Plattformen
  • historische Wege: Schevenstraße, Stadtweg (Schillerstraße), Rakenweg (Leonardistraße), Plattleite, Rißweg, Pferdeweg (Steglichstraße)
  • Anlage einer Allee: Collenbuschstraße
    wohl nach 1755 im Zuge des Ausbaus der einstigen Schänke „Zum Weißen Hirsch“ durch den Oberlandweinmeister Heinrich Roos zum Gutshof entstanden
    Der vorhandene und durch die Allee räumlich markierte Aussichtspunkt am Ende der Collenbuschstraße wurde von Paul Wolf zum Rondell ausgebaut. (Thingplatz, Blomberg-Blick, Friedensblick)

Paul Wolf hat generell einen Städtebau betrieben, dem die topographischen Verhältnisse zugrunde lagen (vgl. Neustädter Uferpark). Er hat die Stadt am Fluss als städtischen Landschaftsraum begriffen und sie als solchen entwickeln wollte. Im Rahmen entstand 1937 ein Plan der Aussichtspunkte und Aussichtswege, den genauer zu betrachten sich lohnt. Es wäre das die Fortsetzung der gerade zu Ende gehenden Ausstellung, die uns mit den einstigen neun öffentlich zugänglichen Türmen im Gebiet bekannt gemacht hat.
Untersuchung der Blickbeziehungen mittels der Bilder von August Kotzsch.

Ideen sind gefragt – Wo könnte man ansetzen?
Es geht darum, die Fülle der Kenntnisse vom Ort in einen räumlichen Zusammenhang zu bringen.

  • Karte der Schutzgüter lebendig werden lassen – interaktive Karte
  • Gesonderte Erfassung der landschaftsbildprägenden Elemente: alte Wege, Trockenmauern, Weinberghäuser – in Fortsetzung von Otto Wenzels Erfassung der geschlossenen Wege
  • Aussichtspunkte (Turmausstellung) und Blickbeziehungen – Landschaftsentwicklungsplan Paul Wolf
  • Vergleich der Kotzschbilder mit der heutigen Situation (eventuell als Schülerprojekt, um in der Breite zu wirken)
  • Karte der Fehlentwicklungen (wie die Verwahrlosung von Bereichen in der Grundstraße)
  • Spezialkarte zum Versiegelungsgrad auf der Grundlage von Google Earth
  • Die vorstehenden Aufzeichnungen sind nur ein Teil des gesamten Abends. In den anderen Beiträgen trugen Vertreter der Ortsvereine Loschwitz/Wachwitz und Pillnitz, des Verschönerungsvereins Weißer Hirsch sowie der Interessengemeinschaft Weinbergkirche Pillnitz positive und negative Beispiele der jüngsten Entwicklungen im Gebiet vor. Diese Vereine waren neben dem Entwicklungsforum die Ausrichter der Veranstaltung. Die Beiträge liegen nicht schriftlich vor.

    Dieser Artikel wurde zuletzt am 17.08.2011 aktualisiert.
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