Panter und Pasteten

Mittwoch, 7. September 2011

von Johannes Hellmich

Stanislaw Tillich hat recht! Die Sache ist keiner Rede wert. Lediglich Chronistenpflicht zwingt den Blogger, sie überhaupt zu erwähnen. Leute kommen und gehen. Sie sind in Parteien. Auch und vor allem beim MDR. Wie Ulrike Wolf. Na und? Ein Abendessen unter vielen. Verabschiedung oder Dankeschön: Was macht das für einen Unterschied. Der MDR – hmm. Mehr ist dazu eigentlich nicht zu sagen. Entsprechend knapp bescheidet Sachsens Ministerpräsident den Nörgler Dirk Panter von der SPD, der allzu offensichtlich auf einen kleinen Skandal hofft und Tillich die Bissen in den Mund zählen will:

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hat das geplante Abschiedsessen für die Dresdner MDR-Landesfunkhauschefin Ulrike Wolf verteidigt. Die gemeinsame Verabschiedung von Ulrike Wolf durch den MDR und die Staatskanzlei sei nichts außergewöhnliches, sagte Tillich am Dienstag nach der Kabinettssitzung in Torgau. Wolf habe sich große Verdienste um das Land erworben. Es sei kein Festakt geplant; vorgesehen sei ein festliches Abendessen für 40 bis 50 Personen. Zu den Kosten des Abends im Nobelhotel Schloss Eckberg Ende des Monats  gab er keine Auskunft.

Was die SPD übersieht: Unser Ministerpräsident macht einfach seine Arbeit. Er sorgt dafür, dass in Sachsen die Welt in Ordnung ist und bleibt. Da kann sich auch ein MDR nicht vor der Verantwortung drücken. Kraft durch Freude als Sendeauftrag.

Und sonst? Sächsische Politiker tummeln sich auf Pressebällen, sind Teil medialer Netzwerke, werden für PR-Termine angemietet und danken ihrerseits Beamten, Wladimir Putin oder eben Journalisten. Was soll da an einem Abendessen mit Blick auf die Elbe außergewöhnlich sein? Was wäre dann regierungskritischer, gar investigativer Journalismus beim MDR? Staatsferne? Geht es am Ende um mündige Bürger? Lieber Dirk Panter, Hand aufs Herz, wohl eher um Futterneid bei den Genossen. Nehmen Sie es also mit Humor wie einst Jupp Schmitz. Man müsste sonst annehmen, es gäbe in Sachsen eine Art sozialdemokratischer Opposition.

Der Chronist hat emotionale Regungen oder nach außen drängende Wünsche aufs Entschlossenste zu unterdrücken, aber hier kann er nicht anders, als im Imperativ neusächsischer Esskultur auszurufen: Schmecken lassen!

Nachtrag 14. September 2011:
MDR-Landesfunkhauschefin Ulrike Wolf hat das Festessen anlässlich ihrer Verabschiedung inzwischen abgesagt. Die Sächsische Zeitung zitiert Frau Wolf mit den Worten: „Ich möchte nicht, dass Weggefährten von mir und die anderen Gäste Opfer eines politischen und medialen Heckmecks werden.“

Besser hätte auch Dirk Panter die merkwürdige Veranstaltung nicht beschreiben können. Und besser, Frau Wolf hätte uns die vielen politisch-medialen Zumutungen aus ihrem Hause erspart.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 21.10.2012 aktualisiert.
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