Denkmalschutz von unten

Mittwoch, 9. November 2011

Unter dem Titel „Denkmalschutz von unten – Bürgerinitiativen und Stadtforen als Impulsgeber“ (.pdf-Datei, 467 kB) liefert Dr. Arnold Bartetzky (wissenschaftlicher Mitarbeiter am Geisteswissen­schaftlichen Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleu­ropas an der Uni Leipzig sowie Mitglied der Expertengruppe Städtebaulicher Denkmalschutz) eine gründliche und sehr ermutigende Analyse der Wirkung bürgerschaftlichen Engagemants im Denkmalschutz.

Er beginnt mit der These:

Bürgerschaftliches Engagement und, diesem meist vorausgehend, zivilgesellschaftliche Protestkultur, sind natürliche Verbündete des Denkmalschutzes. Denn deren Aktivitäten gelten vielfach dem Schutz der gebauten Umwelt, sie sensibilisieren die Öf­fentlichkeit, im Idealfall auch die Politik, für die Erhaltungswürdigkeit historisch gewachsener Stadträume und stärken damit auch den institu­tionalisierten Denkmalschutz.

Aus der Leipziger Perspektive beschreibt er, wie „der grassierende Missbrauch des Bund-Länder-Programms Stadtumbau-Ost, das in den ersten Jahren nach seiner Einführung 2002 nur allzu häufig ohne Rücksicht auf denkmalpflegerische und städtebauliche Belange als reines Abrissprogramm eingesetzt wurde, … für ein Wiederaufleben des bürgerschaft­lichen Engagements [sorgte], denn der Anblick planierter Architekturjuwelen und zerfledderter Straßenzüge hatte viele Stadtbewohner wachgerüttelt.“ Bemerkenswert ist, von welcher Seite dieser Protest kommt. Arnold Bartetzky meint:

Protestbereitschaft und Bürgerinitiativkultur scheinen wiederaufzuleben, diesmal aber nicht mehr in einem linksalternativen, sondern in betont bürgerlichem Gewand. Im Osten hat das Engagement für den Denkmalerhalt wegen seiner Nähe zur einstigen Opposition gegen das kommunistische Regime ohnehin eine historisch bedingte, stark bürger­liche Prägung.

So sind in einer ganzen Reihe mitteldeutscher Städte „nach Leipziger Vorbild“ Stadtforen entstanden. Und – zumindest in Leipzig (?!) – hat man inzwischen zu einer ausgesprochen konstruktiven Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung und dem institutionalisierten Denkmalschutz gefunden.

Anmerkung: Der Aufsatz von Arnold Bartetzky ist in der Broschüre „Bürger machen Stadt – Bürgerschaftliches Engagement im Städtebaulichen Denkmalschutz“ (.pdf-Datei, 7.636 kB) der Bundestransferstelle Städtebaulicher Denkmalschutz erschienen.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 09.11.2011 aktualisiert.
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