Privat geht vor Katastrophe

Freitag, 10. Februar 2012

Update 10. Februar 2012 – Saubere Hände
von Johannes Hellmich

Der Film zum Drehbuch „Antifaschismus ist nicht die richtige Antwort“ ist natürlich nicht von uns, der Freistaat Sachsen hatte ihn auf seinem Portal sachsen.de unter „Politik im Gespräch“ veröffentlicht, um einen Dialog „aus der Mitte heraus“ zu führen. Minister Ulbigs GE DANKEN sind heute (vorübergehend?) vom Netz genommen worden.

Über die Gründe ist nichts zu erfahren. Eine technische Panne? Hat jemand den Film als unangemessen gemeldet und ein wertvolles Zeitdokument verhindert? Eine Anonymous-Attacke? Möglich, der Streifen wird überarbeitet unter dem weiter gefassten Thema: „Sachsen ist auch keine Heimat für Antifaschismus“. Statt MIT DISKUTIEREN heißt es jetzt erst einmal: „Dieses Video ist privat.“ Das macht neugierig, aber: Wie’s bei Herrn Ulbig drinnen aussieht, geht niemanden was an. Privatsache eben. Erst recht, wenn der Minister den Trailer aus seiner eigenen Tasche bezahlt hat.

Die Indizierung könnte aber auch bedeuten, dass Mitschnitte eines ministeriellen Brainstormings unbeabsichtigt an die Öffentlichkeit gelangt waren. Ein Leck im Innenministerium? Der Clip war vom Freistaat auf Youtube.com hochgeladen worden und hatte sich einiger Beliebtheit erfreut (zuletzt ca. 11.300 Klicks). Selbst dort: Blackscreen. Verschwunden zusammen mit allen witzigen, ernsthaften oder unflätigen Kommentaren.

Das Gespräch mit dem Bürger ist also vorerst beendet. Die erbetene Hilfe wird offenbar nicht mehr benötigt. Trotz Handygate: Wir sollten die Privatsphäre des ministeriellen Büros respektieren, fordern wir sie selbst ja auch vom Innenminister. Der entschlossene Kampf der sächsischen Regierung gegen Rechts wird sicher auch so in der gewohnten Weise fortgesetzt, egal wie es mit der Filmkarriere von Markus Ulbig weitergeht. Sein Chef Tillich übt schon mal markige Sprüche.  (jh)

ulbig-privat

 

Update 12. Februar 2012 – Saubere Hände

Es wird immer mysteriöser. Die Bildtafeln des Films wechseln nun noch schneller, als der Blick des Ministers im Video hin- und herhuscht. Heute, sonntags (wer musste da extra ran?) wartet das Innenministerium mit einem neutralen Desktopbild auf, das Buchstaben und Zahlen in zusammenhangloser Anordnung zeigt, die letzte Stufe der Auflösung von Kommunikation (Der Film lässt sich weiter nicht abspielen).

Begonnen hatte es beim MIT DISKUTIEREN. Unter dem Video wird Ulbigs Statement jetzt als Zitat dargestellt. Die kreativen Wortschöpfungen MIT MACHEN, MIT DENKEN und – natürlich – MIT DISKUTIEREN sind aus der AN SPRACHE an die BÜR GER VER SCHWUNDEN – wie der F ILM. Wird die Website „Politik im Gespräch“ ein RUNNING GAG?

ulbig_neue variante

Dieser Artikel wurde zuletzt am 12.02.2012 aktualisiert.
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