Urheberrechtsklage: Hänsch ./. Stadt Dresden

Montag, 23. April 2012

Eine Pressemeldung
von Dr. h.c. Wolfgang Hänsch, Architekt, BDA
zum zu erwartenden Urteil des Leipziger Landgerichtes am 24.04.2012

Um Unklarheiten in der Öffentlichkeit hinsichtlich meines Standpunktes ausschließen zu können, möchte ich im Vorfeld des zu erwartenden Gerichtsurteils im o.g. Verfahren am Landgericht Leipzig Folgendes festhalten:

Ich bin nicht gegen Veränderungen, die mit der Ertüchtigung des Kulturpalastes als Stadthalle/Volkshaus notwendig werden. Aber ich bin grundsätzlich gegen die Entfernung des Festsaales, um einen reinen Konzertsaal dafür einbauen zu wollen. Diese Maßnahme entstellt nicht nur das Bauwerk „Kulturpalast“, es ist auch – nicht nur für mich – ökonomisch fragwürdig.

Ich habe in meiner Pressemeldung am 03.04.2012 Maßnahmen vorgeschlagen, die die Akustik in dem bestehenden Saal und damit die Bedingungen für die Dresdner Philharmonie wesentlich verbessern können, ohne dass der Festsaal zerstört werden muss. Ich behaupte sogar, dass die Dresdner Philharmonie damit ausgezeichnete Bedingungen erhalten würde und alle ihre Werke dort aufführen könnte, was nach dem Umbau nicht der Fall wäre.

Zusätzlich könnte der Festsaal im Kulturpalast weiter multifunktional genutzt werden, was dem Haus hinsichtlich Betriebskosten gut bekommen würde. Ob die Städtische Bibliothek darin Platz findet, muss geprüft werden, denn verständlicher Weise will der Kämmerer Vorjohann die Miete sparen. Die Herkuleskeule ist m. E. integrierbar.

Sehr gewundert habe ich mich, als ich las, dass für eine Umplanung eine Frist von 2-3 Jahren von der Stadt angegeben wurde (s. SZ am 07./08.04.2012). Da es sich nur um eine Teil-Umplanung handeln kann, könnte dafür ein halbes bis dreiviertel Jahr ausreichend sein. Bis zur Schließung des Hauses am 31.12.2012 wäre also noch Zeit, die Sanierung im Bestand mit den notwendigen Änderungen im Planungsablauf neu zu erstellen. Ich möchte auch darauf hinweisen, dass es für die Sanierung im Bestand seit 2005 eine Machbarkeitsstudie im Auftrag der Stadt gibt (Stadtratsbeschluss 2004), die durch weitere Planungen ergänzt wurde. Teile der jetzigen Planung anzupassen, dürfte also kein großes Problem sein.

Die in der Expertenanhörung am 03.04.2012 genannte Kosteneinsparung in Höhe von 10-15 Prozent sollte auch noch einmal gerechnet werden. Diese Einsparung ist eine Schätzung gewesen, die in der Eile zustande kam. Sie konnte in der kurzen Zeit nicht seriös durchgerechnet werden. Was wäre, wenn Einsparungen von 20-30 Prozent möglich wären? Wie würde der Stadtrat dann mehrheitlich entscheiden?

Nach wie vor bin ich bereit, die Anregung des Vorsitzenden Richters am Landgericht Leipzig des Vizepräsidenten des Landgerichts Leipzig, Kai-Uwe Deusing, aufzugreifen und im Interesse der Vermeidung einer langwierigen Fortführung der gerichtlichen Auseinandersetzung eine gütlichen Einigung mit der Stadt zu erzielen.

Der Zerstörung des Festsaales kann ich jedoch nicht zustimmen.

Ich plädiere wiederholt für eine akustische Aufrüstung des bestehenden Saales, um der Dresdner Philharmonie hochwertige, internationalen Anforderungen genügende Bedingungen zu bieten, die wohl im Detail gestalterische Veränderungen nach sich zieht, aber den Grundcharakter des Raumes erhält.

Der Saal würde unter Beibehaltung der Grundstruktur weiterhin eine Vielzahl unterschiedlicher Veranstaltungen ermöglichen. Das käme auch der Unterhaltungsbranche zu Gute, die derzeit Probleme hat, die Künstler für den Veranstaltungsort „Messe“ zu gewinnen (so in Gesprächen mit Semmel Concerts erfahren). In der Messe möchten weder die Künstler noch die Besucher ihre Abende verbringen.

In diesem Sinne appelliere ich noch einmal an die Stadt und die Stadträte, die abenteuerliche Finanzierung des geplanten Umbaus zum Anlass zu nehmen, um auf den Umbau zu verzichten. Die frei werdenden Mittel werden für andere wichtige Investitionen benötigt, wie ich täglich der Zeitung entnehmen kann.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 24.04.2012 aktualisiert.
Sie können den Artikel als .pdf-Datei speichern ...
Gern können Sie auch diesen Artikel weiterempfehlen ...

Schlagworte:

Kommentare abonnieren

Ein Kommentar zu diesem Artikel

  1. Das Urteil ist gefallen. Gegen Herrn Dr. Hänsch. Gegen alle Freunde des Kulturpalastes, die in seinem Mehrzwecksaal unvergessliche philharmonische Konzerte und Veranstaltungen der Unterhaltungskunst erlebt haben. Gegen die Dresdner Nachkriegsmoderne. Und vor allem gegen den Denkmalschutz. Welches Denkmal in Dresden, gleich welcher Art, ist künftig vor der Stadtregierung, Teilen der Stadträte und den sächsischen Gerichten noch sicher. Zum Glück haben Susann Buttulo und Ralf Kakula den Dok-Film “Was bleibt” geschaffen, in dem das Andenken an ein attraktives Haus und einen funktionierenden Mehrzwecksaal erhalten bleibt. Die Bilderstürmer aber müssen sich fragen lassen, ob sie es mit ihrem Gewissen vereinbaren können, einem solch verdienstvollen Dresdner Architekten die Anerkennung verweigert zu haben. Ein für mich unfassbarer, aber offensichtlich dresdentypischer Vernichtungsschlag!

    … schrieb Jürgen Karthaus am Dienstag, dem 24.04.2012, um 17:34 Uhr.