Globus? – Ohne mich!

Montag, 11. Juni 2012

von Eduard Zetera

Der Unternehmerverein Dresden-Pieschen e.V. und der Gewerbe- und Kulturverein Äußere Neustadt e.V. haben eine Unterschriftensammlung gestartet, die darauf zielt, dass der Stadtrat sich in seiner Sitzung am 21. Juni 2012 gegen eine Ansiedlung des Globus-Marktes am Alten Leipziger Bahnhof entscheidet.

Wer sich zur Thematik eine Meinung bilden möchte, findet auf der Website der Initiative und z.B. beim City Management einige interessante Dokumente:

So kommt bereits eine „Fortschreibung des Entwicklungskonzepts für das Ortsteilzentrum Äußere Neustadt in der Stadt Dresden“ (eine von der Landeshauptstadt Dresden Anfang 2011 beauftragte Untersuchung von Junker und Kruse aus Dortmund) zu der Einschätzung:

Im Bereich des alten Leipziger Bahnhofs sind insgesamt 12.000 m² Verkaufsfläche, der Großteil davon (6.700 m²) für Angebote der Branche Nahrungs- und Genussmittel geplant. Diese Gesamtverkaufsflächendimension entspricht insgesamt 75 % des heutigen Verkaufsflächenbestands im Ortsteilzentrum Äußere Neustadt bzw. einem Verkaufsflächenzuwachs von mehr als einem Drittel der Lebensmittelflächen im gesamten Ortsamtsbereich Neustadt. Bereits bei Betrachtung dieser Relation wird deutlich, das dieses Vorhaben zwangsläufig zu deutlichen Umstrukturierungen im Einzelhandelsbestand im Ortsamtsbereich Neustadt führen würde.

Im März dieses Jahres stellte der Handelsverband Sachsen e.V. (HVS) gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer (IHK), dem City Management Dresden (CMD) und den o.g. Gewerbevereinen ein Gutachten von mund, gille + partner aus Dresden vor. Dieses kommt zu dem recht deutlichen Schluss:

Die komplexen Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung ergeben eine klare Ablehnung des Globus-Warenhauses mit Erweiterung an diesem Standort.

Daran erinnern der HVS, die IHK und das CMD erneut in einer aktuellen Pressemitteilung vom 22.05.2012, nachdem sich das CMD bereits in einer Pressemitteilung vom 18.04.2011 „gegen den geplanten Globus-Markt auf dem Areal des Leipziger Bahnhofes“ ausgesprochen hatte. Darin heißt es:

Eine großflächige Ansiedlung dieser Art hat erhebliche negative Auswirkungen auf die Einzelhandels- und Zentrenstruktur Dresdens! Seit vielen Jahrzehnten wird in Dresden darum gekämpft, dass die Innenstadt nach ihrer Zerstörung wieder zu einem lebendigen und pulsierenden Zentrum der Elbmetropole wird. … Der permanente Ausbau von zentrumsfernen Einzelhandelsflächen wirft die Innenstadt immer wieder zurück. Was bringt ein Globus-Markt an dieser Stelle gesamt Dresden? Durch diese Ansiedlungen wird die Position der Innenstadt zumindest in ihren Möglichkeiten limitiert. Von einer attraktiven Innenstadt jedoch profitiert die gesamte Stadt, da hier das Herz Dresdens schlägt und die meisten Potentiale liegen.

In dieser Pressemitteilung erinnert das CMD auch daran, dass das vom Stadtrat der Landeshauptstadt Dresden am 04.06.2008 ohne Gegenstimme und mit nur einer Stimmenthaltung als strategische Grundlage der stadträumlichen Entwicklung der Dresdner Innenstadt beschlossene „Planungsleitbild Innenstadt“ gänzlich andere Prämissen setzt. Darin wird festgeschrieben (S. 9):

Die Kernaussagen des Planungsleitbildes 2008 lassen sich in folgenden Thesen zusammenfassen:

1. Innen- vor Außenentwicklung: Die weitere bauliche Vervollständigung der fragmentierten Innenstadt wird nur gelingen, wenn die Innen- gegenüber der Außenentwicklung absoluten Vorrang erhält. Hierfür sind klare Weichenstellungen bei der Neuansiedlung von innenstadtrelevanten … Angeboten und Nutzungen erforderlich. …

2. Vielfältige Nutzungsmischung in der Stadt der kurzen Wege: Zu einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung und einer lebenswerten Innenstadt gehört eine möglichst kleinteilige Funktionsmischung in einer diversifizierten und kompakten Stadtstruktur. … Nähe und Erreichbarkeit der unterschiedlichsten Nutzungen sichern ein hohes Versorgungsniveau, sie sparen Wege und verhindern Verkehr bereits im Ansatz.

Was mit Globus entstehen soll, ist das ganze Gegenteil:

  • Weit ab von der Innenstadt entsteht ein Markt, welcher Kaufkraft aus der Innenstadt in der gleichen Weise abzieht, wie es bereits beim Elbepark beklagt wird, und damit die weitere Belebung der Innenstadt behindert.
  • Allein aufgrund seiner Größe bündelt der Markt Einkäufe, welche sonst in den umliegenden Vierteln „auf kurzem Wege“ erledigt würden, mit entsprechenden Folgen für den wohnortnahen Einzelhandel sowie das Verkehrsaufkommen.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, zu welchem Zweck derlei Planungsleitbilder überhaupt erarbeitet und vom Stadtrat verabschiedet werden.

Und man darf sich fragen, was wohl diesen sonderbaren Sinneswandel unserer Stadträte bewirkt haben möge …

Hinweis: Wer selbst Unterschriften sammeln möchte, findet Unterschriftenlisten auf der Website globus-ohne-mich.de. Achtung: Die Listen müssen bis zum 18.06.2012 an den genannten Stellen abgegeben werden.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 11.06.2012 aktualisiert.
Sie können den Artikel als .pdf-Datei speichern ...
Gern können Sie auch diesen Artikel weiterempfehlen ...

Kommentare abonnieren

Ein Kommentar zu diesem Artikel

  1. Die DNN veröffentlichten am 23.06.2012 folgenden Leserbrief:

    Der europaweit tätige Handelskonzern Globus SB-Warenhaus Holding GmbH & Co. KG plant am Alten Leipziger Bahnhof ein 14000 Quadratmeter großes Einkaufszentrum zu errichten. Alle nicht von Globus bezahlten Gutachten – drei an der Zahl – sind dagegen. Der Ortsbeirat Pieschen ist dagegen, der Unternehmerverband Pieschen, der Ortsbeirat Neustadt, der Gewerbe- und Kulturverein Neustadt, das Citymanagement. Auch das von der Stadt selbst entwickelte Zentrenkonzept ist dagegen, genau wie die IHK Dresden und der Handelsverband Sachsen – auch nicht gerade berühmt für seine kapitalismuskritische Haltung. Die Genannten haben natürlich alle keine Ahnung von Handel und Betriebswirtschaft, während die geballte Sachkompetenz in unserem Stadtrat das Projekt vermutlich mehrheitlich befürworten wird.

    So, und nachdem wir uns jetzt alle die Lachtränen aus den Augen gewischt haben, stellen wir uns die ernsthafte Frage, wie es denn nun wirklich zu dieser seltsamen Meinungsdivergenz kommt. Fakt ist doch, dass alle, die sich regelmäßig wählen lassen (wollen), quasi von Amts wegen notorische Daueropportunisten sind, die meist versuchen, der in ihrer Wahlbevölkerung vorherrschenden Meinung zustimmend hinterherzuhecheln. Das kann aber in diesem Fall nicht so sein, denn zumindest ist keine lautstarke Befürwortung dieses Projektes hörbar. Bleibt für einen einfachen Bürger wie mich eigentlich nur der Schluss, dass die Entscheidungsträger für all die Unbill, die sie durch ihre offensichtlich unpopuläre Entscheidung hervorrufen, irgendwie anders kompensiert sein müssen. Wohl gemerkt: Ich behaupte nicht, dass irgendwer in unserem Stadtrat mit Geld oder Sachwerten korrumpiert wurde. Aber auch bauchmiezeln und Honig-ums-Maul-schmieren kann eine Form von Bestechung sein.

    Es ist schon bemerkenswert, dass sich Stadträte beschweren, dass Edeka mit seinem Projekt am Albertplatz nicht persönlich vorstellig wurde und die Chancen, dass dieses Projekt (gegen das übrigens kaum jemand etwas hat) zugesagt würde, sinken. Ist das jetzt schon notwendig? Reicht ein in Form und Inhalt vollständig und korrekt ausgefüllter Bauantrag nicht mehr aus? Wozu saß denn die komplette Managementriege von Globus bei der letzten Stadtratssitzung, in der das Thema eigentlich behandelt werden sollte, im Publikum? Hätte das etwas am Ergebnis verändert? Und wieso entschuldigt sich Frau Orosz bei diesen Leuten, weil der Tagesordnungspunkt aus Zeitgründen dann doch nicht dran kam? Es saßen auch Gegner des Projektes im Publikum, aber bei denen wurde sich nicht entschuldigt.

    Man kann den Mitarbeitern von Globus keinen Vorwurf machen: Sie leisten professionelle Arbeit, und dazu gehört natürlich auch Lobbying. Die gleiche professionelle Herangehensweise würde ich mir aber auch vom Dresdner Stadtrat wünschen, die darin bestünde, die Versprechen dieses Milliardenunternehmens als zielorientierten Wunsch wahrzunehmen und diesen fair und nüchtern mit den Gegenargumenten abzuwägen.

    Wenn das Ergebnis dann ist: Der Verkehr rund um den Bahnhof Neustadt wird zusammenbrechen, es werden mehr Arbeitsplätze vernichtet als geschaffen, weil ansässige Einzelhändler aufgeben müssen, und ein wichtiges städtebauliches Projekt, die Hafencity, gefährdet wird, um nur die drei wichtigsten Punkte dagegen zu nennen, dann darf das Abstimmungsergebnis zu diesem Projekt nur wie im Ortsbeirat Pieschen ausgehen, wo ausschließlich der Vertreter der NPD dafür war. Und die haben eh keine Peilung.

    Tja, was soll man dazu noch sagen?

    … schrieb Eduard Zetera am Montag, dem 25.06.2012, um 21:32 Uhr.