Der Hellerauer Welterbe-Antrag

Sonntag, 14. Oktober 2012

Am 26. Juni 2012 wurde Dresden-Hellerau als sächsischer Kandidat für die Fortschreibung der deutschen Tentativliste der Welterbekonvention auf Empfehlung des Sächsischen Ministeriums des Innern gekürt. Weitere Entscheidungen und möglicherweise ein langer Weg bis zur Bewilligung bei der UNESCO stehen nun an.

Die Deutschen Werkstätten Hellerau und ihr Geschäftsführer Fritz Straub sind überzeugt davon, dass die Chancen gut sind, das begehrte Weltkulturerbe-Siegel zu erhalten: Hellerau war seinerzeit schließlich das „Laboratorium einer neuen Menschheit“ (Paul Claudel) und setzte in Kultur, Pädagogik und Architektur markante Zeichen.

Fritz Straub ist seit September 1992 Geschäftsführender Gesellschafter der Deutschen Werkstätten Hellerau GmbH. Nach seiner Lehre zum Industriekaufmann bei der Hoechst AG war er mit verschiedenen Aufgaben im Konzern betraut. Dabei arbeitete er zehn Jahre im Ausland, u.a. in Thailand, Pakistan, Spanien.

Zugleich ist Fritz Straub der Sprecher der Interessengemeinschaft Hellerau. In dieser Funktion hat ihn der Förderverein Lingnerschloss als Referent zum Lingner-Dialog am Mittwoch, dem 17.10.2012, um 19:00 Uhr im Festsaal des Lingnerschlosses gewonnen. Erleben Sie, wie Herr Fritz Straub der Überzeugung Nachdruck verleiht: „Hellerau lebt und ist auf alle Fälle in der Lage, dem ,Bilderbuch der Menschheitʻ eine weitere wichtige Seite hinzuzufügen.“

Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei. Der Förderverein Lingnerschloss bittet jedoch herzlich um Spenden, die zur weiteren Sanierung des Lingnerschlosses verwendet werden.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 14.10.2012 aktualisiert.
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3 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Was ist los bei Euch? Das fand ich mal hier:

    http://quo-vadis-dresden.de/2011-11-ein-gespenst-geht-um.html

    Gut, dass wir jetzt wenigstens wissen, wo ein Herr Straub gearbeitet hat und Frau Orosz ihren Dresdnern bald ein neues Welterbespielzeug schenken kann. Aber nur, wenn wir immer schön artig sind.

    … schrieb Angelika Buche am Sonntag, dem 14.10.2012, um 19:20 Uhr.

  2. Ist schon etwas schizophren! Allein der Gedanke, Dresden könnte sich wieder mit einem Welterbetitel schmücken und gleichzeitig die Brücke fertig gebaut haben ist schon Hohn. Den Hellerauern möchte ich dabei nicht zu nahe treten und ihre Bemühungen sind ja aller Ehren wert – vor allem, weil es ein Initiative aus der dortigen Bürgerschaft ist. Das ist es wohl auch, was das ganze Unterfangen tatsächlich zum Erfolg führen wird. Frau Orosz ist da eher hinderlich, denn sie hat das Problem mit der Brücke bis heute nicht verstanden. Denn es war eben kein Kommunikationsproblem, wie sie immer behauptet. Sowohl Stadt als auch Land haben das Problem bis heute nicht richtig aufgearbeitet – und das wäre wohl das mindeste, was man im Vorfeld einer neuen Bewerbung tun müßte… Aber wir sind ja in Dresden. Verdrängung und Verklärung.

    … schrieb Jale am Montag, dem 15.10.2012, um 10:20 Uhr.

  3. Ein Stimmungsbild, der Eindruck ist gerade noch frisch: Sympathisch ist sie, die Hellerauer Initiative, liebenswürdig, rührend geradezu.

    Fritz Straub erzählte in anekdotischer Form, wie er auf den Gedanken kam, dass Hellerau eigentlich dem Welterbe der Menschheit zuzurechnen sei. Auf die Welterbe-Bewerbung hatte er nicht eben zielstrebig hingearbeitet, sie ist ihm eigentlich passiert. Erst nachdem sich herausstellte, dass die „Kulturministerkonferenz“ ihren Umgang mit der deutschen „Tentitativliste“ neu regelt und sich das Zeitfenster für eine Aufnahme von Hellerau bald für lange schließt, gewann der Prozess an Fahrt: Ein Unternehmer in der Erbfolge eines Karl Schmidt sollte schon mal den Versuch wagen, sein Lebenswerk mit einem Welterbe der Menschheit zu krönen. Dazu bot sich nun Gelegenheit oder nie.

    Dieter Jaenicke, Intendant des Festspielhauses, assistierte Fritz Straub. Er ergänzte, dass Hellerau nicht nur in Architektur und Siedlungsentwicklung Geschichte schrieb, sondern bis 1914 der künstlerischen Avantgarde Europas eine Heimstatt bot und dies mittlerweile wieder tut. [IronieAus] Mithin entstand in Hellerau nicht einfach irgendwann einmal ein Welterbe, sondern es wird dort gelebt – was die Bewerbung um den Welterbetitel einmal mehr rechtfertigt. [IronieWiederAn] Für Hellerau. Im Übrigen stellt Dieter Jaenicke ganz richtig fest, dass dem Festspielhaus eines Welterbe-Aspiranten ein unsanierter Seitenflügel nicht gut zu Gesicht steht. Der Bund hat daher bereits Fördermittel für die Sanierung in Aussicht gestellt, das Land auch, die Stadt ziert sich noch.

    Die UNESCO- und Welterbe-Vorgeschichte Dresdens kam in der Darstellung der beiden nur einmal vor. Ganz kurz. Ganz am Schluss. Sie erzählten von einer Begegnung mit Helma Orosz, erst kürzlich. Sie hat ihrer Hoffnung Ausdruck verliehen, dass ein Welterbe in Hellerau offene Dresdner Wunden heilen wird. Sie begrüßt ausdrücklich, dass die Hellerauer Bewerbung eine rein bürgerschaftliche Initiative ist und sichert zu, dass die Stadt dem Bestreben der Hellerauer nicht im Wege stehen wird.

    Das ist schon bemerkenswert. Jetzt sollen’s also die Hellerauer richten.

    Und die haben das tatsächlich vor!

    Dabei übersehen sie, dass nach der Welterbekonvention (Artikel 5): „sich jeder Vertragsstaat bemühen wird, … eine allgemeine Politik zu verfolgen, die darauf gerichtet ist, dem Kultur- und Naturerbe eine Funktion im öffentlichen Leben zu geben und den Schutz dieses Erbes in erschöpfende Planungen einzubeziehen; … und die Errichtung oder den Ausbau nationaler oder regionaler Zentren zur Ausbildung auf dem Gebiet des Schutzes und der Erhaltung des Kultur- und Naturerbes in Bestand und Wertigkeit zu fördern.“ Wie bitteschön soll das möglich sein in einem Land, in dem die Ansage: „Das Welterbe ist verzichtbar.“ Staatsräson ist?

    Es steht außer Frage, dass man in Hellerau das Welterbe für alles andere als verzichtbar hält. Auch aus diesem Grund grenzt man sich dort ganz ausdrücklich von Dresden ab. Ob es aber der UNESCO gelingt, diesen feinen Unterschied zwischen Hellerau und seinem Nachbarort zu erkennen? Man kann es nur hoffen. Dann wird Hellerau ein Welterbe-ARD: „Außer Raum Dresden.“

    … schrieb Eduard Zetera am Mittwoch, dem 17.10.2012, um 21:41 Uhr.