Kulturpalast Dresden: Einzigartig in Europa

Montag, 22. Oktober 2012

Eine Pressemitteilung von Dresdens Erben

Der Kulturpalast mit seinem Mehrzwecksaal ist ein einzigartiges Gesamtkunstwerk der Nachkriegsmoderne im europäischen Maßstab. So stellte es am 16.10.2012 die renommierte Kennerin der Nachkriegsmoderne Prof. Simone Hain aus Graz in der Verhandlung der Urheberrechtsklage von Dr. Wolfgang Hänsch deutlich heraus. Es war nur folgerichtig, dass dem Architekten das Urheberrecht gerade auch an dem Saal zugestanden wurde. Nichtsdestotrotz hält die Stadt an ihren Umbauplänen zu einem angeblich modernen Weinbergsaal fest, der in seinen Nutzungsmöglichkeiten stark eingeschränkt und dessen akustische Leistungsfähigkeit keineswegs garantiert ist.

Vergangene Woche stellte die Stadt nun auch ein Finanzierungskonzept vor. Es erstaunt schon, dass die neuen Zahlen von der Presse völlig unkommentiert übermittelt wurden. Immerhin wird der Gesamtaufwand für den Umbau nun mit 88 Millionen statt mit 81 Millionen Euro beziffert und der Eigenanteil der Stadt steigt von ursprünglich gerade so machbaren 35 Millionen auf 50 Millionen Euro.

„Die Ausgründung einer Tochtergesellschaft zur Realisierung des Umbaus ist reine Haushaltskosmetik! Die Unwägbarkeiten einer solch windigen Finanzierung müssten jedem Stadtrat die Haare zu Berge stehen lassen“, sagte Jana Knauth. „Stattdessen muss es endlich eine reelle Gegenüberstellung der Kosten für Umbau und Sanierung im Bestand geben. Es kann nicht sein, dass die Behauptung, beides wäre gleich teuer, immer noch im Raum steht, ohne, dass die Bestandsanierung jemals ausführlich geplant noch durchgerechnet wurde“, so die Vereinsvorsitzende. „Wir bedauern es sehr, dass die Philharmonie als Vehikel für den Saalumbau vorgeschoben wird und letztlich nichts weiter als Spielball in einem politischen Vorgang ist.“

Der Verein Dresdens Erben e.V. setzt sich für die Sanierung und Ertüchtigung des Baudenkmals Kulturpalast Dresden inklusive des Mehrzwecksaales ein und unterstützt den Architekten Dr. hc. Wolfgang Hänsch bei seiner Urheberrechtsklage gegen die Stadt.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 22.10.2012 aktualisiert.
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2 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Parteilichkeit siegt über Denkmalschutz!

    Mit Entsetzen nehme ich das Urteil des Oberlandesgerichtes Dresden vom 13.11.2012 zur Causa Kulturpalast zur Kenntnis, dass das „Veränderungsinteresse“ der Stadt Dresden über das „Bestandsinteresse“ des Kulturpalastarchitekten Dr. hc. Wolfgang Hänsch stellt. Obwohl das OLG dem Architekten bescheinigt, dass der „Mehrzwecksaal von einer solchen künstlerischen Schöpfungshöhe (sei), dass er ohne weiteres in den Bereich des Urheberrechtsschutzes falle“, so dass er „urheberrechtlich als Werk der Baukunst zu würdigen sei“, nimmt es anschließend diese Würdigung mit seinem Urteil zugunsten der Stadt Dresden total zurück. Ich kann daher dieses Urteil nur inkonsequent, unehrlich und parteiisch nennen. In Abwandlung eines geflügelten Wortes würde ich davon sprechen, dass der Denkmalschutz in Sachsen vor sächsischen Gerichten nicht einmal in Gottes Hand liegt. Ich hoffe, dass dieses Urteil den Dresdnerinnen und Dresdnern endlich die Augen darüber öffnet, wie hier die Interessen einer breiten Mehrheit von Kulturpalastnutzern den Individualinteressen einer Minderheit von Konzertbesuchern der Philharmonie geopfert werden. Denn wenn es wirklich darum ginge, einer „Musikstadt von Rang“ eine würdige Spielstätte zu schaffen, dann hätten der Freistaat Sachsen und die Stadt Dresden der Staatskapelle und der Philharmonie längst ein Konzerthaus gebaut.

    … schrieb Jürgen Karthaus am Dienstag, dem 13.11.2012, um 18:23 Uhr.

  2. Ein guter Kommentar von Jürgen Karthaus, der die Widersprüchlichkeit der Entscheidung des OLG thematisiert. Mich hat die Entscheidung auch gewundert. Zudem hat das OLG in der ersten Verhandlung den streitenden Parteien gütliche Einigung empfohlen. Das hatte die Stadt dann allerdings nicht mehr nötig, denn das Gericht hatte ja bereits am 16.10. 12 verkündet, die Stadt dürfe den Saal umbauen. Das Interesse des Eigentümers wiege schwerer. Wozu braucht man dann ein Gesetz zum Urheberschutz, wenn das Interesse des Eigentümers, das ja Ansichtssache ist, schwerer wiegen darf? In diesem Fall schadet das städtische Anliegen der Stadt Dresden, weil der Umbau auch in Bezug auf Nutzung und Kosten unausgegohren ist. Aber das hatte das Gericht wohl nicht zu beurteilen. Aber wie konnte es dann das Interesse der Stadt so zielsicher beurteilen? Das Interesse der Stadt muss ja nicht mit den Interessen der Bürger harmonieren. Das hätte das Gericht untersuchen sollen. Dann wäre das Urteil wahrscheinlich anders ausgefallen.

    … schrieb Margita Herz am Donnerstag, dem 29.11.2012, um 05:50 Uhr.