Abschied und Wiederkehr

Mittwoch, 18. September 2013

von Jürgen Karthaus

Das Haus, das einst zu aller Freude
Philharmonie und Dixie froh vereint,
ist jetzt ein einsames Gebäude,
von Fans aus nah und fern beweint.

Wo Karajan einst dirigierte
und Jazz aus allen Poren klang
und das Parkett beim Tanz vibrierte
viele, viele Stunden lang

ist Leere eingekehrt, verwaist die Räume.
Der Mehrzwecksaal sinnlos entleert.
Am Boden liegen unsre Träume.
Nur noch die Hülle – unversehrt!

Nicht lange mehr, und Presslufthämmer fressen
sich tief ins widerstrebende Gestein.
Damit die grauen Zellen schnell vergessen
und offen sind fürs neue Sein.

Indes die Täter hinter Fensterscheiben
die Hände hämelnd aneinander reiben
und frömmelnd weitres Unheil planen,
gestützt von der Justiz und schwarzen Fahnen.

Doch halt! Es ist die Tür noch offen
für alle, die beharrlich hoffen,
dass wieder Leben einzieht in dies Haus,
mit Mehrzwecksaal und tosendem Applaus,
für alle Künste, klassisch oder heiter,
für „Kulti“-Freunde und so weiter.

Dieses Gedicht schrieb Jürgen Karthaus im November 2012 für Wolfgang Hänsch. Seine Reaktion darauf lautete: „,Abschied und Widerkehr‘ nennen Sie Ihr treffliches Gedicht, das die makabre Situation um den Dresdner Kulturpalast so zeitnah schildert und so hoffnungsvoll ausklingen lässt. Dafür ganz herzlichen Dank. Bedauerlich bleibt, daß das Landesamt für Denkmalpflege den Kulturpalast als Bauwerk der Dresdner Nachkriegsmoderne insgesamt unter Schutz stellte, um wenig später in Absprache mit der Stadt den Saal wieder auszuklammern. So etwas nennt man heute umgangssprachlich eine Gefälligkeitsleistung.“

Dieser Artikel wurde zuletzt am 19.09.2013 aktualisiert.
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